Weiter Zurück Inhalt

1. Einführung

BRLTTY soll einem BRAILLE-Leser Zugang zur Konsole eines Unix-Systems geben. Früher konnte dies nur durch ein wirkungsvolles Terminal erreicht werden, das mit einem Hilfscomputer verbunden war. BRLTTY verwendet eine Soft-BRAILLE-Anzeige, die einen Teil des Bildschirmbildes als BRAILLE-Punkte wiedergibt (in diesem Handbuch als "das Fenster" bezeichnet).

1.1 Kurzer Rückblick

Das BRLTTY-Projekt startete im Juli 1995, das Team bestand damals aus Nikhil Nair und James Bowden. Die erste Version arbeitete mit Blazie Engineering's BRAILLE Lite; dies war jedoch keine geeignete Soft- BRAILLE-Anzeige für einen Computer, da die Reaktionszeit viel zu lang war. BRAILLE LITE wird nicht länger unterstützt, obwohl es in Zukunft wieder ins Auge gefaßt werden könnte.

Im September 1995 entstand die zweite Version, also 0.22 BETA; sie war die erste, die veröffentlicht wurde. Sie unterstützte ebenso wie BRAILLE Lite die Tieman B.V. 's CombiBraille-Serie.

Seit damals hat sich viel geändert. James Bowden ist kein aktiver Entwickler mehr, obwohl seine Hilfe auf anderen Gebieten sehr geschätzt wird (einschließlich der Dokumentation).

Das Projekt hat durch die Leistungen zweier neuer Mitglieder, nämlich durch die von Nicolas Pitre und Stéphane Doyon, viel profitiert. Zusammen entwickelten sie die Unterstützung für Alva und TSI Terminals und hatten viele ausgezeichnete Ideen für das System als Ganzes.

Die stabile Version (1.0) und einige Updates wurden Ende 1996 veröffentlicht.

Seither wurde der Support für die Papenmeier Terminals durch ein Projekt an der HTL Schellinggasse Abteilung Elektrotechnik, Wien/Österreich ergänzt. Das BRLTTY Team hat die Unterstützung für TSI Terminal vervollständigt und Unterstützumng für Eurobraille Terminals ergänzt. Neue Möglichkeiten wurden ebenfalls ergänzt. Leider arbeitet Nikhil Nair nicht mehr für das BRLTTY Projekt. Nicolas Pitre übernahm die Weiterentwicklung des Projekts. Version 2.0 wird im Sommer 1998 veröffentlicht.

Siehe Abschnitt Hilfe für Kontaktdetails des BRLTTY-Teams.

1.2 Systemanforderungen

Um zu funktionieren, läuft BRLTTY nur unter Linux (sowohl PC als auch DEC Alpha). Portierung zu anderen unix-ähnlichen Betriebssystemen ist momentan nicht geplant, aber wir begrüßen jedes Interesse für solche Projekte.

Mit einem experimenteller Patch kann BRLTTY durch das screen Programm ausgeführt werden. Damit besteht die Möglichkeit der Portierung auf Plattformen die das Linux vcsa Gerät unterstützen.

Diese Linux-Version von BRLTTY benützt, abgesehen von der standardmäßigen seriellen Schnittstelle, ein spezielles Gerät, das durch die Kernel-Version 1.1.92 zuerst verwendet wurde und leichten Zugang zum Inhalt der momentanen virtuellen Konsole gibt.

Dieser wird normalerweise mit /dev/vcsa oder /dev/vcsa0 aufgerufen (der Name ist konfigurierbar). Aus diesem Grund ist Kernel 1.1.92 oder eine neuere Version erforderlich.

BRLTTY arbeitet nur mit Anwendungen, die auf Text basieren, daher wird jede Form von Graphik- einschließlich des X Window-Systems - kein Braille-Output erzeugen. Klarstellung: X Windows kann installiert werden, aber sollte nicht gleichzeitig mit BRLTTY laufen.

Sie müssen natürlich auch eine geeignete Soft- Braille-Anzeige besitzen. BRLTTY arbeitet momentan mit

Wir hoffen, daß in Zukunft mit anderen Geräten gearbeitet werden kann, wenn Sie also irgendeine vage technische Programmierinformation über ein Gerät haben, mit dem Sie gerne arbeiten würden, lassen Sie uns das bitte wissen (s. Abschnitt Hilfe).

Zusaetzlich benötigen Sie die Werkzeuge um das ausführbare Programm aus den Quelldateien zuerzeugen: make, C und C++ Compiler usw. Die Hilfsprogramme die in den üblichen Linux Distributionen enthalten sind, sollten ausreichen. Bei Problemen kontaktieren Sie uns bitte und wir werden ein ausführbares Programm für Sie erzeugen.

1.3 Anfangsinstallation und Testen

Bevor Sie BRLTTY zusammenstellen, müssen Sie es für Ihr System konfigurieren. Lesen Sie und editieren Sie die Datei Makefile im obersten Verzeichnis, indem Sie den Instruktionen folgen. Lesen Sie dann die README -Datei im Verzeichnis, das den Treiber für Ihre Braille-Anzeige enthält, und suchen Sie nach weiteren spezifischen Anzeigeinstruktionen.

Schreiben Sie

   make clean; make
um BRLTTY, die Testprogramme und andere kleine Hilfsprogramme zusammenzustellen. Dann schreiben Sie als Administrator (root)
make install 
um das ausführbare BRLTTY-Programm zu installieren, und zwar zusammen mit der Hilfe und den Tabellendateien für Ihre Braille -Anzeige am richtigen Platz. Dies führt auch zu /dev/vcsa0 oder einem Äquivalent, falls es nicht schon exstiert.

Sie müssen BRLTTY installieren, bevor Sie die Testprogramme benützen können.

BRLTTY wird wahrscheinlich mit Administratorrechten laufen müssen. Es muß auf die virtuelle Konsolenschirminformation zugreifen, auf die gewählte serielle Verbindung und auf die Konsole (dies ist notwendig für die Anschlagsimulation während der Cursorbewegung, für die Ausschneid- und Einfügfunktion und für akustische Signale). Falls Sie es schaffen, BRLTTY ohne Root-Rechte laufen zu lassen, lassen Sie uns das bitte wissen (s. Abschnitt Hilfe und Unterstützung). Die Programme brltest und scrtest können als Diagnosewerkzeuge benützt werden, falls etwas danebengeht. Beide müssen als Root laufen. Falls Sie die Fehlermeldung `brltty: Cannot read screen' bekommen, versuchen Sie es mit scrtest. Dies sollte ein Rechteck aus der Mitte des Bildschirms herauslesen und nach dem Melden der Bildschirmdimensionen und der Cursorposition auf dem Schirm angeben. Falls BRLTTY lädt, die Braille-Anzeige aber nicht zu arbeiten scheint, versuche Sie es mit brltest. Dieses Programm sollte eine kurze Botschaft auf der Anzeige drucken, eine Eingabe anfordern und verschwinden. Das Skript install-brltty kopiert ein funktionierendes, installiertes BRLTTY auf einen neuen Platz; dies kann benützt werden, um BRLTTY auf eine oder von einer Rootdiskette zu kopieren. Wenn z.B. die Rootfloppy-Disk auf /mnt montiert ist und RLTTY gerade auf dem Hauptsystem arbeitet, dann kopiert das Schreiben von

 install-brltty /mnt 
BRLTTY, und zwar mit allen seinen Daten und Konfigurationsdateien, ebenso wie /dev/vcsa0 oder das Äquivalent zur Rootdiskette.

Anwendung:

     install-brltty dest-prefix [source-prefix]

Beachten Sie: Es kam zu etlichen Problemen, als BRLTTY zwischen verschiedenen Systemen mit verschiedenen Versionen der gemeinsamen C-Bibliothek bewegt wurde. Das ist es wert, erforscht zu werden, falls Sie Schwierigkeiten haben. Weiters sind verschiedene kleinere Programme enthalten:

txt2hlp

Dieses erzeugt Dateien im benötigten Format für die Hilfsfunktion von genormten ASCII - Dateien. txt2hlp wird während der Installation automatisch zusammengestellt und benützt.

txt2tbl

Dieses Programm kann benützt werden, um neue Braille- Übersetzungstabellen aus genormten ASCII- Datenblöcken zu erzeugen. Siehe für Instruktionen den Abschnitt Hilfsprogramme.

tbl2txt

Dieses Programm ist das Gegenteil von txt2tbl. Es kann benützt werden, wenn Sie nicht sicher sind, was eine besondere Punktkombination darstellt.

1.4 Installation für täglichen Gebrauch

Wenn einmal installiert, wird BRLTTY durch das einzige Kommando brltty aufgerufen. Kommandozeilenschalter erlauben, sich über die Standard- Konfigurationsdatei, die serielle Schnittstele und die Braille-Übersetzungstabelle hinwegzusetzen - siehe für weitere Details Kommandozeilenoptionen.

Wenn BRLTTY jedoch gerade durch einen Systemverwalter benützt wird, sollte es wahrscheinlich zur Startzeit geladen werden, also noch bevor die Dateisysteme überprüft werden, so daß, falls während der Überprüfungen etwas danebengeht und das System in den Single-user-Mode geht, die Braille-Anzeige noch immer aktiv ist.

Die Art, in der dies erfolgt, variiert gemäß der Art des Systems, das benützt wird; z.B. wurde auf einem Debian GNU/Linux 0.93R5 System der folgende Code nahe dem Beginn von /etc/init.d/boot eingeschoben:

   if  [ -x  /sbin/brltty ] 
   then
        /sbin/brltty
    fi
Dies könnte zur weniger leserlichen Form verkürzt werden:
[ -x  /sbin/brltty ]  &&  /sbin/brltty

(Auf einem Slackware-System ist die zu ändernde Datei /etc/rc.d/rc.S.) (Bei SuSE kann dieser Aufruf an Anfang Datei /sbin/init.d/boot erfolgen).

Eine mögliche Alternative ist es, BRLTTY von /etc/inittab zu starten.

Beachte: Ein killall5 -15 Kommando würde reichen, BRLTTY zu unterbrechen: Falls solch ein Kommando von einem rc Script bei Single-user-Mode gegeben wird, mag das ein Problem sein, das Aufmerksamkeit verlangt.


Weiter Zurück Inhalt